Mobile Music ist ein heißes neues Thema in der Mobilfunkwelt. Mit Klingeltönen, Ringback Tones und anderen musikbasierten Services für das Handy wird bereits viel Geld verdient. Dieser Bereich soll jetzt ausgebaut werden durch die Möglichkeit, ganze Musikstücke auf das Handy herunterzuladen oder sich per Streaming anzuhören. Solche Angebote scheinen auf den ersten Blick eine natürliche Weiterentwicklung von Klingeton & Co zu sein.
So sind denn - mit Ausnahme von E-Plus - die deutschen Mobilfunkbetreiber bereits mit eigenen Mobile Music Services auf dem Markt. Und auch im übrigen Europa haben sie begonnen, ihren Kunden Musik per Mobilfunk anzubieten, so zum Beispiel in Österreich, Norwegen oder Finnland.
Unterstützt werden die Mobilfunkbetreiber dabei von zahlreichen Technologieanbietern und natürlich von der Musikindustrie. Die Plattenfirmen hoffen, diesmal von Anfang an mit dabei zu sein und nicht – wie im Internet – erst in den Markt einzusteigen, wenn andere ihn bereits besetzt haben.
Auf den zweiten Blick ist aber nicht klar, ob es die Anbieter tatsächlich schaffen werden, Musik übers Handy als Massenmarkt zu etablieren. Die Erfahrungen von legalen Musikdiensten und Peer-to-Peer-Netzen im Internet zeigen uns, dass einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren bei solchen Angeboten die Berücksichtigung der Konsumgewohnheiten ist, die sich durch die Möglichkeit der Digitalisierung von Musik geändert haben. Dazu zählen die Auswahl aus einer großen Anzahl von Musikstücken, das Speichern unfangreicher Musiksammlungen, die Nutzung auf verschiedenen Geräten und vor allem der Austausch von Musik mit Freunden.
Schaut man sich vor diesem Hintergrund das Thema Musik auf dem Handy genauer an, tauchen plötzlich eine Reihe von Fragen auf. So ist die Leistungsfähigkeit der Mobiltelefone und Mobilfunknetze zum Speichern und Downloaden größerer Mengen Musik noch sehr begrenzt. Was den Speicherplatz angeht, bleiben die Handys derzeit noch weit hinter musikspezifischen Geräten wie dem iPod zurück, dessen Erfolg nicht zuletzt auf seine große Speicherkapazität zurückgeführt werden kann.
Auch die Möglichkeiten, die gleichen Musikstücke auf unterschiedlichen Geräten wie der Stereoanlage zu Hause oder im Auto, dem PC und dem Handy zu nutzen sind derzeit noch stark beschränkt. Dies liegt nicht nur an verschiedenen Datei- und Übertragungsformaten, sondern auch an unterschiedlichen DRM-Systemen zum Schutz vor illegaler Nutzung. Der Entwicklung von Standards zur Verbesserung der Interoperabilität kommt daher eine zentrale Bedeutung zu.
Außerdem müssen Geschäftsmodelle für Mobile Music wohl dem Wunsch der Kunden nach dem Austausch von Musik mit Freunden gerecht werden, denn die Verbreitung von Peer-to-Peer-Netzen hat gezeigt, dass Nutzer diesen Vorzug der Digitalisierung auch ausnutzen wollen.
Dafür gibt es aber durchaus schon technische Ansätze. So hat beispielsweise die Open Mobile Alliance (OMA) in ihren DRM-Standards für mobile Inhaltsangebote das Konzept der Superdistribution berücksichtigt. Dabei kann ein Nutzer z.B. ein Musikstück per MMS weiterleiten. Der Empfänger erhält eine Datei, bestehend aus dem eigentlichen Inhalt und Informationen über die Nutzungsrechte. Er hat beispielsweise das Recht, das Stück einmal anzuhören. Um es aber zu speichern, zu kopieren oder weiterzuleiten, muss er beim Anbieter ein entsprechendes Nutzungsrecht erwerben. Bisher haben die Mobile Music Dienste dieses Feature jedoch noch nicht in ihr Angebot aufgenommen.
Letztlich bleibt natürlich vor allem die Frage, ob eine breite Masse an Kunden überhaupt Musik per Handy konsumieren will, oder ob lange Downloadzeiten, teure Mobilfunkverbindungen, begrenzte Speicherkapazitäten und eine schwierige Benutzerführung den Spaß an der Musik auf dem Handy verderben. Dann blieben Mobile-Music-Angebote doch eher ein Nischenangebot. Alle anderen müssen ja nicht auf die Musik unterwegs verzichten, sondern nur auf die Möglichkeit, das neueste Stück in der U-Bahn herunterzuladen.
Mit den Themen Mobile Music, DRM und Konsumentenakzeptanz wird sich auch der Experten-Workshop “Business Models for Mobile Music and DRM” beschäftigen, den Berlecon Research im Rahmen des EU-Projekts INDICARE (The Informed Dialogue about Consumer Acceptability of DRM Solutions in Europe) organisiert. Weitere Informationen dazu unter www.berlecon.de .

