“Blogs! Text und Form im Internet” ist eines der ersten Bücher auf Deutsch, die sich inhaltlich mit Weblogs auseinandersetzen und nicht nur technische Hilfe bieten wollen. Auf 350 Seiten werden 18 deutschsprachige Weblogs mit ausgewählten Texten vorgestellt und um einige Kapitel der Herausgeber Don Alphonso und Kai Pahl ergänzt.
Das Buch ist opulent. Durchgängiger Vierfarbdruck, ein buntes Cover und natürlich der schreiende Titel: BLOGS! Das setzt sich auch im Inhalt fort. In ihren eigenen Beiträgen versprechen die Herausgeber nichts weniger, als dass Blogs “the next big thing” sind und vor allem den Journalismus im Internet aufmischen werden.
Damit ist die erste Assoziation dann die einer Dotcom-Präsentation: Bunt, laute Töne, Behauptungen, dass man die Welt verändern werde, und letztendlich wenig Substanz, die diese Behauptungen untermauert. Eigentlich schade, weil man bei weniger schrillen Tönen besser darüber nachdenken könnte, in welche Richtung sich Blogs denn in den nächsten Jahren entwickeln könnten.
Die für das Buch ausgewählten Weblogs zeigen zwei Richtungen an: Der größte Teil lässt sich wohl am ehesten als literarisch bezeichnen, ein kleinerer Teil ist etwas journalistischer. Dotcomtod schließlich, natürlich auch vertreten, bräuchte wohl eine eigene Kategorie.
Aber die Blogosphäre ist noch vielfältiger als es das Buch zeigt. Blogs mit technischen Inhalten (Slashdot), als werbefinanzierte Klatsch-Site (Wonkette) oder als andauernder politischer Kommentar (Instapundit) finden in den USA viele Leser. Auch als Marketing- und PR-Werkzeug kommen Weblogs zum Einsatz, wie das Blog von Suns COO Jonathan Schwartz. Zugegeben, die deutsche Weblog-Landschaft kann da noch nicht ganz mithalten. Aber vielleicht hätte man ein paar amerikanische Blogs übersetzen können, um Weblogs in ihrer ganzen Vielfalt zu zeigen?
Was im Buch auch zu kurz kommt, sind die Kommentare auf Weblogs. Interessant sind doch nicht nur die Texte der Blogger, sondern auch die anschließende Diskussion. Die Interaktion mit dem Leser macht Weblogs erst spannend. Wer keine Widerrede möchte, kann ja seine Texte schließlich auch bei Books on Demand publizieren.
Bei aller Mäkelei: Die ausgewählten Weblog-Texte machen neugierig auf Blogs. Das Buch gibt Denkanstöße und motiviert, sich mit dem Thema Weblogs auseinanderzusetzen. Und das ist es schließlich, was Herausgeber und Autoren wollten. Wer’s nicht lesen mag, der kann es sich zumindest auf den Schreibtisch lesen und wird durch die Leuchtschrift auf dem Buchdeckel immer daran erinnert, sich mit dem Thema zu beschäftigen.


12. 09. 2004 um 21:00
Ich verlange ja nicht, dass sich die Hype-Schreier von damals von der Brücke stürzen, aber wenn ich 2002 Artikel mit der Überschrift “UMTS lebt” verfasst hätte, wäre ich vorsichtig, anderen wenig Substanz zu unterstellen.
13. 09. 2004 um 8:57
Ohjeh, ertappt. Aber ich habe mir den genanntent Artikel geich noch mal bis zum Ende durchgelesen und finde ihn immer noch gut und korrekt.
14. 09. 2004 um 20:12
Tjaaa, man kennt sich ja von früher - ich sag nur Content-Studie 1998 ;).