Die Berliner Teles AG wird ihr gesamtes Webhosting-Geschäft, deren bekanntester Teil die Strato AG ist, an freenet.de “verkaufen”:http://www.teles.de/holding/ger/presse/04_12_10/c_news_d_01.html. An diesem Wochenende sollen die Verträge unterzeichnet werden. Die Geschäftstätigkeit soll nunmehr auf skyDSL, den drahtlosen Zugang per Satellit, fokussiert werden. Wie seit längerem geplant, soll nun eine Marketing-Offensive für skyDSL gestartet werden, für die mindestens 25 Mio. € eingeplant sind.
Mutig ist die Entscheidung auf jeden Fall: Ein relativ stabiles Geschäft, dazu noch der größe Umsatzbringer von Teles, wird zugunsten eines ungewissen Zugangsgeschäfts aufgegeben. Sigram Schindler, CEO von Teles, ist also quasi sein eigener “kreativer Zerstörer” im Schumpeterschen Sinne.
Mutig ist der Schritt, weil letztendlich noch nicht klar ist, wie groß der Markt für den Internetzugang über Satellit tatsächlich sein wird. skyDSL selbst hat derzeit nur etwa 13.000 Kunden, und Beobachter wie “Om Malik”:http://www.gigaom.com sind der Meinung: “the economics for large scale satellite Internet service are not right.”:http://www.gigaom.com/oldsite/archives/2004/05/satellite_broad.php
Außerdem ist Satellit nicht die einzige Alternative zu klassischen DSL: Internetzugang über Kabel hat zwar in Deutschland keine große Bedeutung, in anderen Ländern sieht es aber anders aus. Auch Funkdienste sind eine Konkurrenz: UMTS TDD, eine datenoptimierte Variante von UMTS, wird in Deutschland bereits in Stuttgart und Berlin auf Basis der Technologie von “IPWireless”:http://www.ipwireless.com und von Lizenzen der “Airdata”:http://www.airdata.ag/ angeboten. (Dem Stand in meinem Extra-Markt um die Ecke nach zu urteilen, läuft der Vertrieb in Berlin bereits ernsthaft.) Und schließlich kann sich in 1-2 Jahren auch WiMax zu einer ernsthaften Alternative entwickeln. “Heise”:http://www.heise.de/newsticker/meldung/53702 zufolge prüft etwa Arcor bereits, in ländlichen Regionen Kunden über WiMax anzuschließen.
Teles ist mit skyDSL also nicht alleine auf dem Markt für alternative Breitbandzugänge. Im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen hat Teles aber einen bereits funktionierenden Dienst, Erfahrungen aus der Nutzung durch 13.000 Kunden sowie Patente auf die eigene Technologie. WiMax dagegen hat den gegenwärtigen Hype mehr der PR-Arbeit von Intel als tatsächlich existierenden Lösungen zu verdanken. Und Satelliten-Internet-Anbieter, die erst einen Satelliten ins All schicken müssen, haben bis zum Anschluss der ersten Kunden noch viele Hürden zu überwinden.
Ein großer Vorteil von Teles ist also der Zeitvorsprung. Um sich als alternativer Breitbandzugang zu etablieren - und nicht jeder potenzielle Breitbandnutzer wird klassisches DSL nutzen können oder wollen - ist jetzt zügiges und professionelles Handeln notwendig. Der Bereich Strato bei Teles hat da in den letzten Jahren nicht immer eine glückliche Hand bewiesen, aber aus den Erfahrungen sollte Teles gelernt haben. Das ist umso wichtiger, als der geplannte europaweite Roll-out von skyDSL an Teles wohl sehr viel höhere Anforderungen stellen wird als das bisherige Geschäft.

