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24.2.2005

Musik aufs Handy – Microsoft und Nokia versus Apple und Motorola

Verfasst von Nicole Dufft am 24.02.2005, 14:25 | Digital Consumer & Marketing | IT, Internet & Innovation | Mobility & Business Communications

Da scheint sich mal wieder ein Kampf der Giganten anzubahnen: Diesmal geht es um das viel versprechende Geschäft mit Musik auf dem Handy. Und wie im PC-Geschäft der 80er Jahre steht auch diesmal Apple für ein weitgehend geschlossenes System sowie eine restriktive Vergabe von Lizenzen und Microsoft für Kompatibilität und eine offene Lizensierungspolitik:

Motorola hat im Rahmen des 3GSM World Congress in Cannes angekündigt, ein Musikhandy mit dem Namen „Rocker“ mit integrierter iTunes Software von Apple herauszubringen. Und Nokia wird künftig seine Musik-Handys mit Windows Media Technologien von Microsoft bestücken, so dass digitale Musik im WMA-Format auf dem Handy abspielbar wird. Im Gegenzug wird Microsoft DRM-Standards der Open Mobile Alliance (OMA) unterstützen, so dass Musik, die über das Handy gekauft wurde, mit dem Windows Media Player auf dem PC abspielbar sein wird.

Andere Handy-Hersteller werden sich sehr bald Nokia anschließen und Windows Media Technologien und - DRM unterstützen. Damit könnten sich Windows Media DRM und OMA DRM zu De-facto-DRM-Standards für digitale Musik entwickeln. Apple hingegen scheint anders als Microsoft keine Pläne zu haben, seine iTunes Software großzügig an weitere Handy-Hersteller zu lizensieren. Das könnte Apples bisher dominante Position am Markt für digitale Musik gefährden.

Denn mangelnde Interoperabilität ist bisher eines der primären Ärgernisse für Kunden, die legal Musik über das Internet oder das Handy erwerben: Musik, die online gekauft wurde (z.B. im iTunes Music Store), kann nur auf wenige kompatible mobile Endgeräte übertragen werden (z.B. auf den iPod), es sei denn Kunden wählen den Umweg über das ungeschützte MP3-Format wählen. Musik, die per Handy gekauft wurde, kann bisher in aller Regel gar nicht auf dem PC abgespielt werden. Die Kooperation von Microsoft und Nokia dürfte damit ganz besonders für das Geschäft mit Mobile Music Downloads relevant sein und zwar in zweierlei Hinsicht:

1. Interoperabilität erhöht den Wert eines per Handy erworbenen Musikstücks, da dieses nun auch auf dem PC nutzbar wird. Das macht Mobile Music Downloads attraktiver.

2. Interoperabilität macht es für Kunden allerdings auch einfacher, online gekaufte Musik vom PC auf das Handy zu transferieren, ohne dass dafür ein Mobilfunknetz genutzt werden muss. Das könnte den Mobilfunknetzbetreibern das Geschäft mit mobiler Musik versalzen.

Wie die jüngste Kurzstudie von Berlecon Research „Mobile Music – More than Downloading“ zeigt, haben Kunden bisher nur einen geringen Anreiz, Musik per Handy zu kaufen, da der spezifische Mehrwert eines mobilen Downloads im Vergleich zu Internet Downloads relativ klein ist. Im Gegenteil, lange Übertragungszeiten per Mobilfunk, die komplizierte Menüführung auf dem Handy und hohe Preise im Vergleich zu Internet Downloads machen den Kauf von Musik per Handy bisher noch eher unattraktiv für Kunden.

Um wirklichen Mehrwert zu bieten, müssen Mobile Music Downloads die spezifischen Charakteristika und die spezifischen Vorteile des Mediums Mobilfunk berücksichtigen. Dies ist im Zusammenhang mit Mobile Music neben Personalisierung und der einfachen Abrechnung über die Mobilfunkrechnung vor allem die Unabhängigkeit von Ort und Zeit.

Der Mobilfunk ermöglicht es Kunden, spontan, überall und zu jeder Zeit Musik zu erwerben. Mobile-Music-Dienste müssen also vor allem auf Impulskäufe abzielen. Alleinstehend bieten Mobile Music Stores jedoch nur wenig Anreiz für Spontankäufe. Um das zu ändern müssen Mobile Download Funktionalitäten intelligent mit anderen musiknahen Diensten auf dem Handy integriert werden, zum Beispiel mit Music ID Services, mit Streaming-Diensten oder mit Mobile Radio Funktionen. Hier hört der Kunde unterwegs Musik und hat sofort die Möglichkeit, sie per Handy spontan zu erwerben. Die Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Anbieter von Mobile-Music-Diensten auch andere Modelle, Musik auf das Handy zu bringen, unterstützen und sich nicht mehr allein auf Download-Modelle fokussieren. Davon ist am Markt bisher jedoch wenig zu erkennen.

Interoperabilität ist also für den Erfolg von Mobile Music Downloads eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung. Jetzt liegt es an den Mobilfunkbetreibern attraktive Mobile-Music-Modelle an den Markt zu bringen, bei denen Musik über Mobilfunknetze auf das Handy übertragen wird. Tun sie das nicht, werden Kunden ihre Musik vornehmlich auf andere Weise auf das Handy bringen, z.B. via USB oder Bluetooth – und das können sie sowohl mit Motorola und Apple als auch mit Microsoft und Nokia.

Fazit: Microsoft und Nokia haben den richtigen Schritt getan, beide sind über ihren eigenen Schatten gesprungen und haben mit ihrem Erzrivalen im Kampf um Marktanteile für mobile Betriebssysteme kooperiert. Um tatsächlich gegen Apple Marktanteile gewinnen zu können, muss jetzt von beiden Seiten das bisher theoretische Versprechen der Interoperabilität auch in die Realität umgesetzt werden.

Und wenn die Erfahrungen der letzten Jahre mit der Interoperabilität von Microsoft-Produkten als Maßstab genommen werden, dann haben die beiden hier noch ein ganzes Stück Arbeit vor sich. Denn der Teufel steckt bei Interoperabiltät meist im Detail. Gerade bei Unterhaltungselektronik stellen die Nutzer sehr hohe Anforderungen an die Nutzbarkeit. Fehlende Interoperabilität aufgrund unterschiedlicher Software-Versionen oder Geräte-Generationen trifft hier auf wenig Verständnis. Apple hat dies verinnerlicht, Nokia auch. Wie gut Microsoft hier ist, wird die spannende Frage der kommenden Monate sein. Sonst könnten sich viele Musikliebhaber nämlich doch für ein geschlossenes System entscheiden, das zwar nicht zu anderen Diensten und Geräten kompatibel, dafür aber in sich stabil, verständlich und in hohem Maße nutzerfreundlich ist.

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