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12.5.2005

Ist Windows Mobile 5.0 der BlackBerry-Killer?

Verfasst von Thorsten Wichmann am 12.05.2005, 13:49 | IT, Internet & Innovation | Mobility & Business Communications

Am Dienstag dieser Woche hat Microsoft die neue Version seines Betriebssystems für PDAs, Handys und Smartphones vorgestellt, Windows Mobile 5.0. Wer die Entwicklung von Microsoft der letzten Jahre kennt, dem drängt sich die Frage auf: Hat Microsoft mit dieser Version jetzt den Bogen raus und setzt zur Eroberung des Marktes an? Schließlich konnte man schon bei Windows oder dem Internet Explorer ein ähnliches Muster beobachten: Die ersten Versionen wurden müde belächelt, aber ab der dritten Version begann die Marktdominanz. Werden wir also in wenigen Jahren alle Windows-PDAs und Smartphones besitzen? Und vor allem: Was passiert dann mit dem derzeitigen Lieblingsspielzeug der Manager, dem BlackBerry?

In den letzten Tagen ist viel über E-Mail als BlackBerry-Killer spekuliert worden. Auf der TechEd im Juni wird Microsoft wohl neue Funktionalitäten für den Exchange-Server vorstellen. Erwartet wird unter anderem eine Push-Funktionalität für E-Mail, die ankommende Mails direkt an mobile Endgeräte weiterleiten kann. Zusammen mit Verbesserungen in Windows Mobile, so die Argumentation, kann sich diese Kombination zur ernsthaften Konkurrenz für den BlackBerry-Dienst entwickeln.

Auch Berlecon erwartet, dass Microsoft seinen Marktanteil bei den Nutzern von Mobile E-Mail deutlich ausbauen kann, wie der Berlecon-Report “BlackBerry und Alternativen” ausführlich zeigt. Aber in der Ankündigung von Windows Mobile 5.0 hat Mobile E-Mail nicht die entscheidende Rolle gespielt. Und das liegt daran, dass im Markt für mobile Endgeräte Features nicht an erster Stelle stehen. Zwei Faktoren sind entscheidend für den Erfolg: Partnerschaft mit den Mobilfunkanbietern und die Fähigkeit, aus Hardware, Software und netzbasierten Diensten ein leicht nutzbares Ganzes zu schaffen.

Die Mobilfunkanbieter sind wegen ihrer Kundenbeziehungen, der Gerätesubventionierung und vor allem wegen ihrer Marketingbudgets unverzichtbar. Wer Kunde beim Mobile Operator X ist und vor der Phase der Vertragsverlängerung steht, der wird sich im Zweifelsfall für ein Endgerät aus dem Angebot dieses Operators entscheiden. Das ist erstens bequem, und man kann zweitens die Subvention für die Vertragsverlängerung einstecken. Und wenn man die entsprechenden Smartphones “seines” Mobilfunkanbieters schon etliche Male gesehen hat, nimmt man andere Endgeräte kaum noch wahr.

Unter diesem Problem leidet derzeit besonders PalmOne. Zwar hat das Unternehmen mit dem Treo 650 ein leistungsfähiges Smartphone auf dem Markt – mittlerweile auch in Deutschland. Bislang konnte hier aber unter den Netzbetreibern nur E-Plus als Partner gewonnen werden. Dagegen stehen die Smartphones von Nokia und Sony Ericsson genauso wie der BlackBerry bei allen vier Netzbetreibern zur Verfügung. Auch Microsoft spielt hier zunehmend eine Rolle, da die eigenen Smartphones der Mobilfunkanbieter – MDA, XDA, etc. – unter Windows Mobile laufen.

Hier baut Microsoft gerade die eigene Position deutlich aus. So macht es Windows Mobile 5.0 für die Netzbetreiber sehr viel einfacher, die Oberfläche an die eigenen Bedürfnisse anzupassen, etwa an die Unternehmensfarben. Das scheint anzukommen. So gab Bill Gates stolz bekannt, dass bereits jetzt mit 68 Mobilfunkbetreibern in mehr als 40 Ländern Verträge über das neue Windows Mobile abgeschlossen wurden.

Welchen Erfolg die Fähigkeit bringen kann, aus Hardware, Software und netzbasierten Diensten ein leicht nutzbares Ganzes zu schaffen, zeigt der BlackBerry mehr als deutlich. Im Vergleich zu anderen Endgeräten ist z.B. die Anzahl der Features von BlackBerry-Handhelds eher bescheiden – aber E-Mails senden und empfangen können sie deutlich besser als die meisten anderen.

Allerdings erwartet Berlecon, dass mit zunehmender Reife der mobilen Endgeräte Komplettlösungen wie der BlackBerry an Bedeutung verlieren. Im Consumer-Bereich werden verstärkt die Netzbetreiber das Heft in die Hand nehmen und eigene Geräte auf den Markt bringen, die zusammen mit Endegeräteherstellern entwickelt und angepasst wurden. Die Basisfunktionalität für die Masse – Telefon, E-Mail, Adressen, Kalender, ein wenig Fotografie oder Musik und vielleicht noch Routing oder andere GPS-basierte Anwendungen – lassen sich recht einfach verwirklichen, ob auf Windows, PalmOS, Symbian oder Java. Hier gewinnt das Betriebssystem Marktanteile, das den Bedürfnissen der Netzbetreiber am meisten entgegenkommt.

Im Unternehmensbereich zeichnen sich mittelfristig ebenfalls Änderungen ab. Hier ist für mobile Endgeräte die einfache und kostengünstige Anbindung an den Exchange- oder anderen Groupware-Server wichtig, idealerweise mit Unterstützung der unternehmensspezifischen Einstellungen und des jeweiligen Workflows. Außerdem besteht in Unternehmen oft das Interesse an speziellen Anwendungen auf den mobilen Endgeräten, etwa zum Zugriff auf CRM-Systeme.

Mittelfristig werden nach unserer Einschätzung viele Unternehmen versuchen, die mobilen Endgeräte und Plattformen zu konsolidieren, um Kosten zu sparen und den Mitarbeitern je nach Bedarf verschiedene mobile Anwendungen zur Verfügung stellen zu können. Das wird dann das Ende des Nebeneinanders von Blackberry für E-Mail, Symbian-Handy für Telefonate und Windows-PDA für den Zugriff auf Unternehmenssysteme sein. Chancen bei Unternehmen haben dann Plattformen, die sich am einfachsten in die Unternehmens-IT integrieren lassen, sei es auf der Ebene der Unternehmensanwendungen wie Exchange oder etwas tiefer auf der Ebene der Entwicklungsplattformen.

Microsoft hat hier ausgezeichnete Chancen. Mit Exchange ist das Unternehmen fest in vielen Unternehmen verankert. Darüber hinaus versteht Microsoft den Vertrieb an IT-Entscheider in Unternehmen. BlackBerry ist dagegen – trotz ernsthafter Aufholbemühungen – noch viel stärker auf die Mobile Operators fixiert.

Allerdings besteht die Unternehmenswelt nicht nur aus Microsoft und Windows. In Unternehmen, die auf andere Groupware setzen, hat BlackBerry auch mittelfristig gute Chancen. So unterstützt BlackBerry nicht nur Exchange, sondern auch IBMs Lotus Domino und Novells Groupwise. Und Client-Anwendungen für den BlackBerry können auf der Basis von Java entwickelt werden, was für Unternehmen interessant ist, deren IT-Infrastruktur auf Java und nicht auf Windows basiert.

Mit Windows Mobile 5.0 ist Microsoft besonders den Bedürfnissen der Mobilfunkbetreiber entgegengekommen. Die TechEd im Juni wird sicher etwas für die Unternehmensanwender in petto haben. Auch wenn beides zusammen noch lange keinen BlackBerry-Killer macht, so bleibt eine Sache klar: Der Wettbewerb wird weiter an Schärfe gewinnen.

Nachtrag: Zwei interessante Interviews mit Bill Gates zu diesem Thema sind auf news.com und in der FAZ erschienen.

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