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29.10.2005

Ende der Systems

Verfasst von Thorsten Wichmann am 29.10.2005, 17:04 | IT Services & Outsourcing | IT, Internet & Innovation

Dieses Wochenende ist die Systems in München zu Ende gegangen, mit sehr durchwachsenem Ergebnis, wenn man sich die Presse ansieht. Leicht gewachsene Zahl an Ausstellern, aber bestenfalls stagnierende Besucherzahlen. Natürlich sind Messeleitung und der ITK-Verband BITKOM optimistisch, aber das ist ja auch ihr Job.

Ich selbst war von der Veranstaltung enttäuscht (und habe auch überwiegend ähnliche Einschätzungen von Gesprächspartnern gehört). Die Systems erinnert mich immer mehr an den traurigen Supermarkt bei mir um die Ecke. Man findet zwar schon so ungefähr was man so braucht, aber weder kann man aus einem breiten Angebot wählen und vergleichen, noch wird einem etwas Neues auf spannende Weise präsentiert. Und allzu anspruchsvoll sollte man auch nicht sein.

Christoph Witte hat zwar optimistisch gestimmt, dass er einen Besucher sagen hören hat “Wir suchen ein ERP-System”. Aber wie soll der arme Besucher ein ERP-System finden, wenn nur wenige Anbieter von ERP-Software auf der Messe präsent sind? Das was früher einmal die Messe geliefert hat, nämlich einen Marktüberblick, das liefert die mittlerweile sehr übersichtliche Systems schon lange nicht mehr.

Vielleicht ist die Zeit der Allzweckmessen, die etwas für jeden dabeihaben wollen, auch einfach vorbei. Der Besucher einer Anbieter-Website liefert einem mittlerweile oft bessere und detailliertere Informationen als die – oft mäßig sachkundigen – Sales-Mitarbeiter auf den Messeständen. Und wer die unterschiedlichen Angebote und Konzepte zu einem Thema vergleichen will, der ist oft auf Spezialveranstaltungen wie der e-procure, der crm-expo oder der DIMA besser bedient. Die Auswahl an Anbietern ist besser, die Atmosphäre ist kommunikativer und angeschlossene Kongresse liefern gleich noch einen Überblick über die neuesten Entwicklungen mit. (Eine nette Übersicht bietet die neue BITKOM-Site messepilot.de).

Leider hat es die Systems in den vergangenen Jahren verpasst, sich ein klares Profil zu geben; was das “Arbeitszimmer der Branche” sein soll, ist mir jedenfalls nicht klar. Dabei gäbe es mit Security oder Internet/Web schon Themen, die in München noch relativ stark präsent sind und sich vielleicht eignen würden. Schade eigentlich, ich habe das neue Münchner Messegelände immer unserem völlig verbauten Gelände in Berlin vorgezogen.

Ein Kommentar zum Beitrag “Ende der Systems”

  1. Lauren Jacoby meint:

    Ich stimme zu. Die SYSTEMS ist schlicht überflüssig für die Aufgabe, die sie zu beantworten versucht. Es ist der geschichtlichen Besonderheit der DOTCOM-Euphorie zu “verdanken”, dass die SYSTEMS kurzzeitig hochgespült wurde. Danach hat sie sich aber schnell wieder in der zweiten, oder vielleicht schon dritten , Reihe eingefunden. Die Probleme scheinen hausgemacht. Hohe Erwartungen einer Messegesellschaft, die nicht recht weiss, ob sie nun eine grosse, eher bundesweite, Messe sein möchte, oder doch eher die für den Süden, dann dort Mitte Europas genannt. Aber wer soll von dort kommen? Sind Kroatien, Slowenien, Ungarn … wirklich der spannende Markt für die IT-Unternehmen? Und wenn ja, trifft man sich dann in München?

    Die Messe macht eine Messe, die Aussteller machen daraus eine ganz andere.

    Wer noch auf der SYSTEMS ausstellt, der hat seine Kunden in München im Blick. Fast alle Besucher kommen doch auch aus München und Umgebung. Also nicht für das Klientel, dass die Messe gerne hätte und immer wieder in der Pressearbeit in den Vordergrund stellt.

    Die SYSTEMS stellt der Branche einfach ein sehr unordentliches Arbeitszimmer hin, räumt mal hier, mal da etwas um und hofft, dass der Markt, oder ein Wunder, die gute alte Zeit zurück bringen möge.

    Mein Tipp für 2007: SAP (noch einmal deutlich kleiner), Telekom (nur noch mit dem Regionalvertrieb), Siemens (halb so gross bis gar nicht mehr), Microsoft (gar nicht mehr), Vodafone (gar nicht mehr). Sie werden noch eine Halle aufgeben müssen und die Besucherzahlen werden deutlich unter die 50.000er Grenze fallen.

    Als kleine IT-Messe für München, mit neuem Namen und neuem Profil würde ich Ihr eine gute Chance geben. So aber, da bin ich mir sicher, wir die Messegesellschaft die SYSTEMS in Ihrer heutigen Form bald aufgeben - vielleicht schon in 2007.

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