The Experts in Communication,
   Collaboration & Mobility

18.1.2006

Microsoft und Skype: zwei zukünftige Wettbewerber?

Verfasst von Thorsten Wichmann am 18.01.2006, 20:05 | IT, Internet & Innovation | Mobility & Business Communications

Auf den ersten Blick scheint es keine Gemeinsamkeiten zwischen dem Softwaregiganten Microsoft und dem mittlerweile zu eBay gehörenden Internettelefonieanbieter Skype zu geben. Microsoft verbindet man mit Windows, Office, Exchange und Enterprise Software, die vor allem an Unternehmen jeder Ausrichtung und Größenklasse lizenziert werden. Wenn es ein etabliertes Softwareunternehmen gibt, dann Microsoft.

Skype dagegen ist eine junge Peer-to-Peer-Software, die in erster Linie Privatpersonen kostenloses (oder zumindest sehr preiswertes) Telefonieren über das Internet ermöglicht. Das Unternehmen ist erst vor gut zwei Jahren an die Öffentlichkeit getreten. Es hat auch ein gewisses Outcast Image: Niklas Zennström, einer der Gründer, muss das Unternehmen von Europa aus managen, weil er aufgrund seiner Vergangenheit als Mitgründer der Tauschbörse Kazaa verklagt wurde und bei Einreise in die USA einen Prozess riskieren würde. Stärker können die Kontraste zwischen zwei Unternehmen wohl kaum sein.

Und doch zeigen sich bei näherem Hinschauen Gemeinsamkeiten. Denn wie für Skype ist auch für Microsoft das Thema Voice over IP oder IP-Telefonie (siehe auch den Berlecon-Report zum Thema) wichtig. Mit dem Live Communication Server bieten die Redmonder eine Plattform an, die unter anderem als Basis für die Integration von Sprachübertragung und telefonnahe Dienste in Unternehmenssoftware dient. Egal ob es um Telefonate per Klick aus dem Adressbuch, die Anzeige des Online-Status von Arbeitskollegen oder um Web Conferencing geht: Microsoft verfolgt die Strategie, alles eng in einer Gruppe von Anwendungen zu integrieren. Eine Reihe von Kooperationen mit Anbietern von Telekommunikationsanlagen, etwa Siemens, soll außerdem dafür sorgen, dass die neue IT-Welt in den Unternehmen problemlos mit der alten Welt der Telekommunikation zusammenarbeiten kann. Denn traditionelle Telefonanlagen werden nicht über Nacht verschwinden.< --more-->

Während Microsoft sich auf diese Weise der Welt der Telefonie nähert, aber die angestammte Zielgruppe der Unternehmen im Fokus behält, geht Skype den umgekehrten Weg: Bekannt ist das Unternehmen zwar für die Internettelefonie für Konsumenten, aber es baut derzeit zusammen mit Partnern auch das Angebot für Unternehmen aus. Skype Groups etwa ermöglicht Konferenzgespräche, unterstützt gebührenfreie Rufnummern und rechnet auf Wunsch die Nutzung kostenpflichtiger Skype-Angebote mehrerer Personen über ein einziges Konto ab. Und mit dem Skype E-Mail Toolbar können Telefonnummern aus dem Outlook-Adressbuch direkt aus Outlook über Skype angewählt werden.

Aber Skype geht auch zunehmend über reine Telefonie hinaus: So sind Persony und Unyte von WebDialogs zwei Beispiele für Web-Conferencing-Lösungen auf Basis von Skype. Mit diesen Lösungen können die Teilnehmer einer Telefonkonferenz parallel eine Powerpoint-Präsentation verfolgen. Zwar ist der Funktionsumfang geringer als beim großen Bruder Microsoft Live Meeting, aber gerade für kleine Unternehmen und Arbeitsgruppen kann die Funktionalität völlig ausreichend sein.

In den nächsten 1-2 Jahren dürften sich die Angebote von Microsoft und Skype noch weiter aufeinander zu bewegen. Denn beide scheinen in etwa die gleiche Vorstellung über die Zukunft der Sprachtelefonie zu haben. Telefonie ist in dieser Vision kein vollkommen eigenständiger Dienst mehr, sondern nur noch eine bloße Facette der Kommunikation. Sprachtelefonie wird sozusagen vom eigenständigen Dienst zur bloßen Eigenschaft eines Kommunikationssystems.

Noch ist es zu früh zu entscheiden, ob diese Vision tatsächlich Realität wird oder ob das gewohnte Telefon (und die Anbieter von Telekommunikationslösungen) ihre Eigenständigkeit behalten. Aber sowohl Skype als auch Microsoft können durch die Verwirklichung ihrer Vision nur gewinnen, schließlich müssen sie keinen Verlust ihres Telefoniealtgeschäftes fürchten – ganz im Gegensatz zu etablierten Telekommunikationsanbietern. Sie werden deshalb die Verwirklichung dieser Vision weiter vorantreiben.

Bleibt die Frage, ob sich die beiden Unternehmen dabei irgendwann im Wettbewerb in die Quere kommen. Dagegen spricht aber, dass beide unterschiedliche Märkte mit unterschiedlichen Anforderungen bearbeiten. Microsoft verkauft seit Jahrzehnten an Unternehmen und hat die Entscheidungsabläufe und die Anforderungen von Unternehmen verinnerlicht. Skype ist dagegen ein typisches Consumer-Unternehmen mit einfachem, preiswerten Produkt, starker Betonung von Community-Aspekten und wenig Verständnis über Abläufe in Unternehmen. Wie schwer es ist, diese Barriere zwischen unterschiedlichen Zielgruppen zu überspringen, zeigen sowohl Microsofts mühsame Versuche mit der Xbox und Suchdiensten als auch Apples bislang meist vergebliche Versuche, in den Unternehmen stärkere Präsenz zu gewinnen.

Deshalb dürfte sich der Wettbewerb am ehesten in eng begrenzten Teilbereichen abspielen, etwa bei kleinen und mittleren Unternehmen. Dort dürfte der Wettbewerb dann auch deutlich auf die Preise für entsprechende Lösungen drücken. Neben preiswerten Telefonaten können sich die Kleinunternehmen in Zukunft also auch auf preiswerte Telefonielösungen freuen.

Kommentieren

Syndication

  • Einträge
  • Kommentare
  • Login

Aktuelle Studien & Reports

Analysten

Archiv  nach  Thema

Archiv  nach  Zeit