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7.6.2006

Duet(t) von Microsoft und SAP bringt SOA ins Office

Verfasst von Joachim Quantz am 07.06.2006, 12:29 | IT, Internet & Innovation

Rechtzeitig zur SAPPHIRE Europe – der SAP-Kundenkonferenz, die letzte Woche in Paris stattfand – hat SAP sein neues, gemeinsam mit Microsoft entwickeltes Produkt Duet angekündigt. Mit Duet, im vergangenen Jahr unter dem Namen Mendocino gestartet, sollen Anwender direkt aus Microsoft-Anwendungen wie Outlook, Excel oder Word auf SAP-Funktionalität zugreifen können. Was genau verspricht sich SAP von diesem Produkt und welchen Nutzen bringt es für die Anwender?

Zunächst einmal leistet Duet die technische Integration der Microsoft-Welt mit der SAP-Welt. Darüber hinaus wird Duet aber auch konkrete Prozesse bereitstellen. Im ersten Release, das für Juni 2006 angekündigt ist, sind dies zunächst Prozesse aus dem HR-Bereich (Human Resources). So sollen Mitarbeiter Urlaubsanträge direkt über Outlook absetzen können – Duet sorgt dann für die Übermittlung aller relevanten Informationen zwischen Outlook-Oberfläche und mySAP ERP (Enterprise Resource Planning).

Für die zweite Jahreshälfte ist dann auch weitere Funktionalität im Bereich ERP, CRM (Customer Relationship Management) und SRM (Supplier Relationship Management) angekündigt. Aus Word- oder Excel-Dokumenten sollen dann über Smart Tags umfangreiche Informationen aus SAP abgerufen werden können. Beispiele hierfür sind Informationen über Kunden oder Zulieferer wie Lieferlisten, Aufträge oder Zahlungsverhalten. Entsprechende Anwendungsbeispiele wurden auf der SAPPHIRE bereits prototypisch vorgeführt.

Diese Kooperation zwischen Microsoft und SAP setzt insbesondere auf die komplementären Stärken der beiden Partner – die Dominanz von Microsoft im Frontend-Bereich und die umfangreiche Funktionalität, die SAP im Bereich der Unternehmensanwendungen bereitstellt. Die Kombination bietet beiden Seiten Vorteile: Office-Nutzer erhalten zusätzliche Funktionalität und SAP-Anwendungen werden einfacher nutzbar und somit auch für einen neuen Anwenderkreis attraktiv.

SAP verspricht sich von Duet zweierlei: zum einen soll das Produkt deutlich machen, welches Potenzial in der SAP Enterprise Services Architecture (ESA) steckt. ESA ist eine serviceorientierte Architektur (SOA) und bildet die Grundlage für die Weiterentwicklung von NetWeaver zur Business Process Platform (s. hierzu auch unseren Report Von NetWeaver zur Business Process Platform). Duet ist aufgrund seiner unmittelbaren Anschaulichkeit sicherlich gut dazu geeignet auch Kunden anzusprechen und zur Migration zu bewegen, denen der rein konzeptuelle Nutzen einer SOA zu abstrakt ist.

Zum anderen möchte SAP über Duet die Zahl der SAP-Nutzer in den Unternehmen erhöhen. Denn jeder, der über Duet auf SAP zugreift, benötigt nicht nur eine Duet-Lizenz, sondern auch eine SAP-Lizenz. Offen ist hier, inwieweit Unternehmen tatsächlich bereit sein werden, ihre SAP-Lizenzen entsprechend aufzustocken. Sie werden dies nur tun, wenn sie in den Duet-Anwendungen soviel Mehrwert sehen, dass eine solche Investition gerechtfertigt erscheint.

Aber selbst wenn der Umfang von Duet zurzeit noch sehr eingeschränkt ist und unklar ist, ob die Lizenzstrategie von SAP aufgehen wird, verdeutlicht das Produkt doch recht eindrucksvoll das Potenzial und die Reife der ESA. Mit der serviceorientierten Architektur verfügt SAP nun über eine sehr gute technologische Grundlage, um Dienste flexibel kombinieren und in unterschiedlichen Anwendungskontexten wieder verwenden zu können. Wie unser aktueller Report SOA in der Praxis zeigt, sind Flexibilität und Wiederverwendung die Hauptnutzen einer SOA.

Nicht zuletzt aufgrund der positiven Erfahrungen mit Duet entwickelt SAP zurzeit unter dem Codenamen “Project Muse” eine neue Benutzeroberfläche, die webbasierte Zugriffe ebenso unterstützt wie mobile Endgeräte. Ziel ist auch hier, komplexe Prozesse in unterschiedliche Anwendungskontexte einzubinden – und zwar so, dass die Nutzer diese Prozesse in der Anwendungsumgebung nutzen können, die für sie besonders gut geeignet ist und mit der sie am besten vertraut sind.

Ob SAPs Strategie aufgeht, wird im Wesentlichen davon abhängen, ob die angekündigte Funktionalität auch schnell und robust zur Verfügung gestellt werden kann und ob Kunden den Mehrwert dieser Funktionalität so hoch einschätzen, dass sie in zusätzliche Lizenzen investieren. Im Erfolgsfall wird Duet nicht nur neue Nutzer für SAP gewinnen, sondern auch die positive Einschätzung serviceorientierter Architekturen weiter verbessern.

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