Laut Informationen der Financial Times befindet sich der norwegische Video-Conferencing-Anbieter Tandberg in Gesprächen mit einem Private-Equity-Investor. Noch ist nicht bekannt, um welchen Fonds es sich handelt. Im Artikel wird jedoch Silver Lake Partners erwähnt, die bereits den TK-Ausrüster Avaya im Portfolio halten.
Die Integration von Tandbergs Video-Lösungen mit der Unified-Communications-Suite von Avaya könnte eine Stärkung im Wettbewerb gegen Cisco bedeuten. Das Unternehmen aus San Jose scheint derzeit ein “Goldstandard” für die Beurteilung neuer UC-Deals zu sein. Tatsächlich haben die Kalifornier vor allem mit den TelePresence-Lösungen einen großen Mindshare bei den Anwendern erreicht.
Nebenbei verschaffen mir diese Spekulationen endlich die Gelegenheit, ein Video zu posten, das ich bereits seit einiger Zeit gespeichert habe. Es zeigt Cisco CEO John Chambers, der mit einem 3D-Hologramm des Senior Vice President Emerging Technology, Marthin De Beer, konferiert. Chambers befindet sich im indischen Bangalore, De Beer in Kalifornien. Natürlich kann es mit Produktreife und Use Case aktuell noch nicht weit her sein. Aber es zeigt, in welche Richtung sich standortübergreifende Zusammenarbeit technisch entwickeln kann.
Die chinesischen TK-Ausrüster Huawei und H3C bauen ihre Präsenz in Europa und Deutschland weiter aus. So konnte der Netzausrüster Huawei offenbar gegen etablierte Konkurrenten wie Alcatel-Lucent, Ericsson und Nokia Siemens Networks punkten. Zhou Ming Cheng, Huaweis Marketingleiter für den europäischen Markt, weist in der Financial Times auf ein Umsatzvolumen von 2 Milliarden Dollar für das Jahr 2007 hin – ein deutlicher Anstieg im Vergleich zum Vorjahr ($770m).
Darüber hinaus hat Huawei letzte Woche ein Test- und Demo-Center in Darmstadt eröffnet. „Mit der Eröffnung unseres neuen Innovations- und Demo-Centers bekräftigen wir unser langfristiges Engagement im deutschen Markt”, so Haifeng Ling, Huaweis VP European Region, in der ntz.
H3C – ein Joint Venture von Huawei und 3Com – hatte sich kurzfristig für eine Messepräsenz auf der diesjährigen CeBIT entschieden. Das Unternehmen bietet IP-basierte Lösungen für Unternehmen in den Bereichen Netzwerk, Sicherheit, Storage und Überwachung an. Einer der hauptsächlichen Konkurrenten ist damit sicherlich Cisco.
Bei einem Gespräch während der CeBIT wies Chen Wang, VP Business Development bei H3C, auf einen interessanten Vorteil des Anbieters hin: Gerade bei Remote Managed Services könne man Kostenvorteile des Heimatlandes China an die Kunden weitergeben.
Bei den CIOs ist der Kostendruck bei Anschaffung und Betrieb neuer ITK-Lösungen hoch. Bevor sie ihre Infrastruktur von China aus betreuen lassen, muss aber sicherlich noch einiges Vertrauen aufgebaut werden. Der schon jetzt immense Wettbewerbsdruck auf dem ITK-Anbietermarkt wird durch das Engagement der beiden chinesischen Anbieter aber sicherlich weiter steigen.
In seinem Buch “Schöne neue Arbeitswelt” beschreibt der Soziologe Ulrich Beck den Wandel von der Industrie- zur Wissens- und Informationsgesellschaft. Er schreibt dort:
Die globale Welt beruht auf der Kapazität, Entfernungen zu töten und in Realzeit einen fragmentierten Arbeitsprozess in planetarischer Einheit zu organisieren.
Wirtschaftliche Prozesse verlieren ihre eindeutige Ortsfixierung. Damit entfällt eine scheinbar unaufhebbare Prämisse des industriegesellschaftlichen Systems, nämlich die Notwendigkeit, an einem bestimmten Ort zusammenzuarbeiten.
Investitionsort, Produktionsort, Steuerort und Wohnort können voneinander abgekoppelt gewählt werden.
Zwar ist solche soziologische Prosa für Analysten, CIOs und Verantwortliche bei den Technologieanbietern ungewohnt. Auch ist der Blick sicherlich aus 10.000 Metern Flughöhe auf die Realität in den einzelnen Unternehmen gerichtet. ITK-Entscheider sollten die Implikationen solcher Szenarien für die eigene Organisation und die künftig eingesetzten Kommunikationstechnologien jedoch einmal durchspielen.
Denn IP-basierte Kommunikationstechnologien wie VoIP oder Instant Messaging sowie verbundene Dienste wie Präsenzanzeige können helfen, die Produktivität der Teilnehmer an einer immer weiter “fragmentierten und globalisierten Erwerbsgesellschaft” (Beck) zu steigern. Auf der Grundlage herkömmlicher, teilweise im Industriezeitalter entwickelter Technologien wie Telefon und sogar E-Mail wird eine Produktivitätssteigerung in der “Wissensökonomie” immer schwieriger werden.
Die beiden Computerwoche-Redakteure Manfred Bremmer und Jürgen Hill haben ein sehr ausführliches und interessantes Interview mit Zig Serafin, Chef der Unified Communications Group bei Microsoft, geführt.
Laut Serafin stehen auch für Microsoft Managed Services und Hosting-Varianten im Bereich VoIP und UC hoch auf der Agenda:
Serafin: Wir haben die Business Online Services angekündigt, die etwa aus einem Hosted Sharepoint oder Hosted Exchange bestehen. Grundsätzlich sieht unsere Roadmap Hosted Communications Software vor.
CW: Tritt Microsoft selbst als Hoster auf, oder wollen Sie mit Partnern wie etwa T-Systems zusammenarbeiten?
Serafin: Wir verfolgen beide Ansätze, wobei das von Land zu Land unterschiedlich ist.
CW: Und das bedeutet für Deutschland?
Serafin: Offiziell haben wir für Deutschland noch nichts angekündigt. Ich kann mir aber vorstellen, dass wir hier eng mit einem Carrier als Partner zusammenarbeiten. Einer unserer Design-Grundsätze ist, dass wir unsere Software so entwickeln, dass sie als Service laufen kann. Also entweder stellt sie ein Unternehmen seinen Anwendern als Service bereit, oder ein Carrier offeriert sie vielen Unternehmen als Dienstleistung. Oder wir treten selbst als Service-Provider auf. Wir halten uns diese Optionen bei der Entwicklung offen.
Für die Akzeptanz von Hosting-Diensten in Deutschland heißt das aber auch, dass bei den potenziellen Kunden noch sehr viel Überzeugungsarbeit zu leisten ist. Denn obwohl eine Auslagerung von Kommunikationsdiensten durchaus einen Mehrwert hat, sind die CIOs noch äußerst skeptisch. Unsere Studie “VoIP und Unified Communications 2008″ zeigt, dass gerade mal 4% der repräsentativ befragten ITK-Entscheider in Unternehmen ab 100 Mitarbeitern zur kompletten Auslagerung einer UC-Lösung bereit sind.
Die Nachricht war alles andere als ein bloßer Sommerloch-Füller: Nach längerer Partnersuche verkündeten der Private-Equity-Investor Gores Group und Siemens Enterprise Communications die Gründung eines Joint Ventures. Die Partner sind mit 51% (Gores) bzw. 49% (Siemens AG) beteiligt und wollen gemeinsam 350 Millionen Euro investieren. Die hohe Beteiligung, zugesagte Investitionsmittel sowie die Weiternutzung der Marke Siemens unterstreichen laut COO Thomas Zimmermann das langfristige Engagement des Münchner Konzerns.
Grundlage der Zusammenarbeit
Eine zentrale Voraussetzung für die Zusammenarbeit war offenbar die gemeinsame “TK-Vision”. Zum einen sind beide Partner von technologischer Offenheit als Erfolgsfaktor im wichtigen Unified-Communications-Markt überzeugt. Dazu gehört etwa die Unterstützung offener Standards. Auch sei man sich darüber im Klaren, nicht mehr in einer TK- sondern einer IT-Welt zu leben. Das bedeutet für SEN vor allem einen – mit der OpenScape-Suite bereits angestoßenen – Wandel vom Hardware- zum Software-Anbieter und Systemintegrator.
Mögliche Synergien mit Enterasys und SER
Neben Kapital und operativer Führung bringt Gores den Netzwerkausrüster Enterasys ein. Ein wichtiger Aspekt der Zusammenarbeit wird die notwendige Verbesserung der Marktposition von Siemens in Nordamerika sein. Das Kalkül scheint berechtigt: Die Marke Enterasys mag in USA bekannter als Siemens sein. Auch verfügt Enterasys über eine indirekte Salesinfrastruktur, die Siemens vertriebliche Neuausrichtung auf die Channelpartner verstärken kann.
Um als Lösungsanbieter und nun auch Netzausrüster gegen Konkurrenten wie Cisco auf deren Heimatmarkt Marktanteile zu gewinnen, kann die Zusammenarbeit mit Enterasys aber sicher nur ein erster Schritt sein. Gezielte strategische Akquisitionen könnten hier die Position des Anbieters zusätzlich stärken.
Ein weiteres Beteiligungsasset von Gores ist der Anwendungsentwickler SER, der auf Lösungen für Outbound-Call-Center spezialisiert ist. Im Bereich Call Center liegen Siemens Stärken eher im Inbound-Kontakt, so dass sich hier die Produktportfolios sicherlich ergänzen.
Aktive Beteiligung an der Marktkonsolidierung
Aus Anwendersicht kommt es vor allem auf die langfristige Perspektive des Engagements der Partner an. Im Verlauf der Pressekonferenz haben die Verantwortlichen deutlich gemacht, dass sie mit weiteren Marktkonsolidierungen auf dem TK-Markt rechnen. Dass man diese Marktbewegungen aktiv zur Stärkung der eigenen Position nutzen will, muss nach Außen noch klarer kommuniziert werden.