E-Business ist mittlerweile ein zentraler Bestandteil des Geschäftsalltags: Knapp die Hälfte aller deutschen Unternehmen wickelt heute ihre Einkaufs-, Vertriebs- oder Logistikprozesse über elektronische Netze ab. Sie tauschen dabei mit ihren Geschäftspartnern zum Beispiel Produkt- und Katalogdaten aus, verkaufen Produkte über Online-Shops oder übermitteln elektronische Bestellungen, Lieferdaten und Rechnungen.
E-Business-Standards spielen dabei eine wichtige Rolle: Sie stellen sicher, dass die Informationen einheitlich im richtigen Format, an der richtigen Stelle, zur richtigen Zeit zur Verfügung stehen und legen exakt fest, wie Daten zwischen den beteiligten Systemen ausgetauscht werden. Sie bilden damit die Grundlage für effiziente elektronischen Prozesse.
Dennoch nutzen in Deutschland derzeit nur etwa ein Drittel aller Unternehmen mit elektronischen Geschäftsprozessen E-Business-Standards wie GTIN, eCl@ss oder EDIFACT. Gut ein Zehntel plant dies innerhalb der kommenden zwei Jahre. Das zeigen die Ergebnisse der aktuellen Studie “E-Business-Standards in Deutschland”, die Berlecon Research im Auftrag des BMWi-Projektes PROZEUS erstellt hat. Für die Studie wurden rund 1.000 deutsche Unternehmen repräsentativ befragt.
Die geringe Verbreitung mag unter anderem darauf zurückuzuführen sein, dass das Thema “E-Business-Standards” nach trockener technischer Materie klingt. Die Befragung hat jedoch gezeigt, dass Unternehmen, die sich dem Thema intensiv widmen, handfeste Vorteile für das Business realisieren können: Fast 80 Prozent der Unternehmen, die Standards einsetzen, haben dadurch ihre Geschäftsprozesse beschleunigt und zwei Drittel ihre Datenqualität verbessert. Mehr als die Hälfte der Unternehmen befinden sich nach eigener Einschätzung durch den Standardeinsatz in einer besseren Wettbewerbssituation. Grund genug also, sich stärker mit E-Business-Standards auseinander zu setzen.
Schere zwischen großen und kleinen Unternehmen
Aber vor allem kleinere Unternehmen behandeln das Thema häufig noch stiefmütterlich und vergeben damit zahlreiche Chancen, die Standards bieten. So liegt der Anteil der kleinen Unter¬nehmen, die im E-Business aktiv sind und mit Standards arbeiten, bei gerade einmal 16 Prozent. Dagegen sind es bei den mittelständischen fast die Hälfte, bei den großen fast zwei Drittel aller Unternehmen. Gerade KMU führen Standards oft erst dann ein, wenn der Druck von außen wächst, also wenn etwa ihre großen Kunden danach verlangen. Über die Vorteile des Standardeinsatzes für ihre eigenen Prozesse sind sie häufig nur unzureichend informiert – das belegen die Umfrageergebnisse.
Vor allem die große Vielfalt der verfügbaren E-Business-Standards ist für Unternehmen kaum überschaubar – und das gilt durchaus auch für die großen Unternehmen. Hinzu kommen zahlreichen Abwandlungen von Standards, sog. Dialekte und Derivate. Diese sind zwar teilweise erforderlich, um branchen- und prozessspezifische Aspekte beim Datenaustausch zu berücksichtigen, führen aber zu einer immer größeren Heterogenität der Standardlandschaft.
Beurteilung von Kosten und Nutzen des Standardeinsatzes bereitet Schwierigkeiten
Die Befragungsergebnisse und unsere zahlreichen Interviews mit Experten zeigen darüber hinaus, dass es Unternehmen häufig schwer fällt, den Aufwand und die Investitionen im Hinblick auf den Standardeinsatz im Vorfeld richtig einzuschätzen. So geht der Einführung von E-Business-Standards beispielsweise häufig eine umfassende Aufbereitung der eigenen Produktstammdatenbasis voraus –der hierfür notwendige personelle und finanzielle Aufwand ist nicht zu unterschätzen. Ein unklares Kosten-Nutzen-Verhältnis ist daher für knapp die Hälfte der Unternehmen, die bisher keine Standards einsetzen, ein wesentliches Argument gegen den Standardeinsatz.
Für die Verbreitung von Standards ist es damit offensichtlich essenziell, Unternehmen bei der Auswahl des geeigneten Standards zu unterstützen und ihnen Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen sie realistische Kosten-Nutzen- bzw. ROI-Analysen durchführen können. Hier leisten Initiativen wie “PROZEUS” und “Netzwerk elektronischer Geschäftsverkehr” bereits wertvolle Arbeit.
Aber auch Dienstleister sind gefragt, um den Unternehmen mit ihrer Expertise unter die Arme zu greifen. Denn viele Unternehmen wollen und können sich gar nicht mit allen Details der E-Business-Technologien und des Standardeinsatzes be¬fassen. Hier spielen Dienstleister eine wichtige Rolle, indem sie nicht nur beratend tätig werden, sondern bspw. auch die Netzanbindung (im EDI-Umfeld), Datenpflege- und Konvertierungsleistungen (als Clearing-Häuser) oder den Betrieb gesamter E-Business-Lösungen als Dienstleistung im One-To-Many-Modell über das Internet übernehmen.
Sie können Unternehmen auch aufzeigen, wie langfristig angelegte Standardisierungsprojekte schrittweise anhand kleinerer Teilprojekte umgesetzt werden können. Denn gerade kleine Unternehmen – auch das belegen die Umfrage-Ergebnisse – schrecken häufig vor der Einführung von Standards zurück, weil umfassende Standardisierungsprojekte vielfach als zu komplex und aufwendig empfunden werden.
Das Thema E-Business-Standards sollte also verstärkt auf die Agenda von KMU und ihren IT- Partnern rücken. Sonst besteht die Gefahr, dass sie – zumindest was den automatisierten Datenaustausch im E-Business anbelangt – hinter ihren großen Wettbewerbern zurückbleiben.


17. 02. 2010 um 15:13
eBusiness und Standards in KMU
In der Tat ein Thema, dass Sie in Ihrem Artikel sehr gut beschrieben haben und mit dem sich auch auf lange Sicht Kosten und Ressourcen effektiver einsetzen lassen, wenn man es denn auch strategisch angeht.
Jede Strategie geht aber immer Veränderung einher, die jedes Unternehmen und dessen Mitarbeiter auch wirklich wollen müssen. Dann kostet es selbst bei kleinen Projekten oder in Verbindung mit One-To-Many-Modellen häufig genau so viel, ggf. sogar mehr, als die Einführung eines kompletten ERP-Systems (WaWi, ReWe, Personal, …). Ob sich Verbesserungen, Einsparungen, Synergien oder eine höhere Kundenbindung/-zufriedenheit damit realisieren lassen, hängt eben von der Strategie und vom Einzelfall ab. Eine pauschale Annahme, dass sich immer auch Vorteile zu einem angemessenen Preis-/Leistungsverhältnis erzielen lassen, ist auf keinen Fall zulässig.
Ja, die potentiellen Kunden (KMU) haben vollkommen recht –> Projekte dieser Art sind komplex und aufwändig, wenn sie richtig gemacht werden.
Und auch ein klares Ja, dass die meisten kleinen Unternehmen lediglich auf Druck der großen Handelspartner in vereinzelte Standards (meist EDIFACT) investieren. Dies sind aber keine Investitionen, für die sich ein ROI errechnen ließe. Das sind dann einfach nur zusätzliche Marketingkosten um einen Kunden oder wichtigen Lieferanten halten zu können. Wird das Ganze nur halbherzig umgesetzt, ergeben sich womöglich zusätzlich Aufwände und Prozesse, die das Gegenteil dessen bewirken, was man eigentlich mit diesen Standards erzielen will.
Es bleibt immer eine Abwägung und Beurteilung des Einzelfalls, welche Lösung gerade für ein Unternehmen geeignet ist.
Prozesse wahlweise schneller, einfacher und nachvollziehbar zu machen - das haben wir uns als Dienstleister auf die Fahne geschrieben. Das setzen wir jeden Tag auf Neue um, aber ebenso müssen wir auch regelmäßig in uns gesetzte Erwartungen zurück weisen. Vielfach ist es Unternehmen ad hoc oder in ihrer gegenwärtigen Lage nicht möglich, einen darstellbaren, bzw. deutlichen, nachhaltigen und kosteneffizienten Mehrwert zu erzielen. Egal für welche Lösung man sich entscheidet; ein eBusinessprojekt verursacht Einmal- und Folgekosten die in die Kalkulation mit einfließen müssen.
Unser Fazit aus einer Vielzahl solcher Projekte –> es gibt nicht die eine richtige Lösung oder das optimale Produkt. Wer allerdings den Weg eBusiness, Standards und Optimierung eingeschlagen hat, sollte auch das Ziel kennen und an dessen Erreichung konsequent arbeiten.